Morbus Crohn

Morbus Crohn ist eine chronisch entzündliche Darmerkrankung, die alle Abschnitte von der Mundhöhle bis zum After betreffen kann.

Morbus Crohn ist eine chronisch entzündliche Darmerkrankung, die alle Abschnitte von der Mundhöhle bis zum After betreffen kann.

Morbus Crohn gehört zusammen mit der Colitis ulcerosa zu den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Die vom US-Amerikaner Prof. Dr. med. Burill Bernard Crohn (Facharzt für Magen-Darm-Erkrankungen, 1884 bis 1983) erstmalig beschriebene Krankheit kann den gesamten Magen-Darm-Trakt (von der Mundhöhle bis zum After) mit einer chronischen Entzündung befallen. Von Morbus Crohn – auch als Enteritis regionalis Crohn bezeichnet – ist aber in der Regel insbesondere der untere Dünndarm befallen. Es können mehrere Abschnitte entzündet sein.

 

Morbus Crohn ist eine häufige Erkrankung

In Deutschland leiden rund 165.000 Menschen an Morbus Crohn. In den vergangenen Jahrzehnten hat die Häufigkeit der Erkrankung zugenommen. Manche Mediziner gehen aber davon aus, dass die Diagnose heutzutage nur häufiger gestellt werden kann, da die medizinische Ausstattung dafür besser geeignet ist. Männer und Frauen sind gleichermaßen häufig betroffen und die Diagnose findet besonders bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen statt.

 

Morbus Crohn: Ursache (noch) unbekannt

Noch immer ist die Ursache einer Morbus Crohn Erkrankung nicht geklärt. Aber es gibt eine Reihe von Ursachen, die für das Entstehen der Erkrankung (mit)verantwortlich gemacht werden:
Häufig wird Morbus Crohn als sogenannte Autoimmunerkrankung bezeichnet. Die Entzündung könnte als Reaktion auf eine Abwehrschwäche zu verstehen sein. Es gibt viele Hinweise darauf, dass Morbus Crohn auf eine Veränderung der Darmbakterien und/oder eine unzureichend funktionierende Dünn-Darm-Schleimhaut (mit)zurückzuführen ist. Veränderungen der Darmflora werden immer wieder angeschuldigt, einen Einfluss auf die Entstehung von Morbus Crohn zu haben. In der adjuvanten Therapie von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa spielen daher auch Probiotika ein wichtige Rolle. Zudem gibt es genetische Faktoren die dafür verantwortlich sind. In jedem Falle wird der Verlauf der Krankheit durch Bakterien (Mycobacterium avium subsp. Paratuberculosis kurz MAP) und Viren beeinflusst. Aber nicht alle Patienten haben genetische Merkmale, die zur Entstehung der Erkrankung führen. Als zusätzliche Faktoren werden immer wieder übertriebene Hygiene, Rauchen und auch die Ernährung (Stichwort zuckerreiche Ernährungsweise und Bevorzugung von „Industrienahrung“ wie Fast Food, Fertiggerichte und gehärtete Fett/Frittiertes) genannt. Eine psychosomatische Erkrankung ist Morbus Crohn jedoch sicher nicht. Nichtsdestotrotz spielen psychische Effekte wie Stress eine Rolle beim Erkrankungsverlauf. In jedem Falle profitieren Morbus Crohn-Betroffene von Entspannungstechniken wie Autogenem Training.

 

Beschwerden bei Morbus Crohn

Die klassischen Beschwerden, über die Menschen mit Morbus Crohn klagen, sind (extreme) Bauchschmerzen und (häufiger) Durchfall. In der Regel sind die Durchfälle schleimig blutig. Die Patienten leiden auch unter ungewolltem Gewichtsverlust, Fieber, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen. Bei Morbus Crohn kann es auch zu Fisteln und Abszessen kommen. Viele Patienten haben durch die Blutungen einen Eisenmangel und auch die Zinkversorgung ist unzureichend. Neben den genannten Beschwerden führt Morbus Crohn aber auch zu Veränderungen, die sich nicht auf den Magen-Darm-Trakt beziehen. Besonders häufig treten Gelenkveränderungen wie Arthritis oder bestimmte Hautveränderungen auf.

 

Erkrankungsverlauf bei Morbus Crohn

Bei der chronisch entzündlichen Darmerkrankung soll es durch die Therapie zu einem symptomfreien Intervall kommen. Also einer Phase ohne oder mit möglichst wenigen Beschwerden. Die Beschwerdephasen bezeichnen Mediziner als akuter Entzündungsschub. Ärzte haben einen Aktivitätsindex entwickelt, mit dem die Krankheitsaktivität relativ einfach ermittelt werden kann. Bei Morbus Crohn kann es auch zum Darmverschluss, Gallensteinen, Osteoporose und Harnsteinen kommen. Das Krebsrisiko ist zudem bei Morbus Crohn erhöht.

 

Diagnostik von Morbus Crohn

Eine sichere Diagnose erfordert die Magen-Darm-Spiegelung durch einen Facharzt für Magen-Darm-Krankheit (Facharzt für Gastroenterologie). Dabei wird auch eine kleine Gewebeprobe entnommen und histologisch begutachtet. Zudem werden auch Ultraschall und bestimmte Laborwerte ermittelt. Auch während dem Krankheitsverlauf müssen regelmäßig Kontrolluntersuchungen stattfinden. Der Gastroenterologe muss exakt informiert sein, um Morbus Crohn nicht mit einer ähnlichen chronisch entzündlichen Darmerkrankung wie der Colitis ulcerosa oder anderen Erkrankungen zu verwechseln. Für die Diagnose gibt es eine medizinische Leitlinie.

 

Behandlung von Morbus Crohn

Die Therapie im akuten Entzündungsschub ist anders als die im symptomfreien Intervall. Es gilt in dieser Phase die Remission zu erhalten. Die „Schubtherapie“ dient der Verminderung der akuten Symptome. Die Remissionserhaltung ist wichtig, um weitere Entzündungsschübe zu vermeiden. In der Regel erfolgt bei Morbus Crohn eine lebenslange medikamentöse Therapie. Chirurgische Maßnahmen können im Laufe der Jahre erforderlich werden. Die Therapie sollte in jedem Falle an den Leitlinien orientiert sein. Im Fall eines akuten Entzündungsschubes wird der Magen-Darm-Trakt ruhiggestellt. Dafür wird eine enterale Ernährung mit Astronautenkost durchgeführt. Manche Kliniken verwenden auch eine Sondenernährung. Nur in wenigen Fällen ist eine parenterale Ernährung über das Blutgefäßsystem notwendig. Die akute Entzündung wird parallel mit Cortison behandelt. Zudem können Salazosulfapyridin und andere Präparate angewendet werden. Zur Remissionserhaltung sind neben einer ausgewogenen gut verträglichen Ernährungsweise bestimmte Medikamente wichtig. Dazu gehören Medikamente die das Immunsystem beeinflussen (sogenannte Immunsuppressiva wie Azathioprin oder Methotrexat) oder TNF Alpha Blocker (wie Infliximab oder Adalimumab).

Der Ernährungstherapie kommt zur Remissionserhaltung eine große Bedeutung zu. In jedem Falle ist es wichtig, Mangelernährung und Untergewicht zu vermeiden oder zu behandeln. Viele Patienten profitieren von der Einnahme von Zink– oder Eisenpräparaten. Auch ein Mangel an Vitamin B12 ist nicht selten. Bei deutlichem Untergewicht ist Aufbaunahrung (Astronautenkost) wichtig. Sinnvoll kann es auch sein, Omega-3-Fettsäuren und spezielle Quellstoffe einzunehmen. Bei einer dauerhaften Cortison-Therapie muss auf eine ausreichende Vitamin-D- und Kalzium-Zufuhr geachtet werden. Aber auch die Alternativ-Medizin bietet Ansatzpunkte für die Remissionserhaltung bei Morbus Crohn. Immer wieder werden indischer Weihrauch, Cannabis und Mastix ins Gespräch gebracht.