Hörsturz

Deaf woman takes a hearing testBei einem Hörsturz handelt es sich um einen Innenohr-Infarkt. Unter einem Infarkt versteht man das Absterben einzelner oder mehrerer Zellen infolge einer Unterversorgung mit Sauerstoff durch einen unzureichenden Zufluss von Blut. Das Hauptsymptom ist eine plötzlich auftretende Hörminderung oder Taubheit. Diese tritt ohne identifizierbare Ursache und meistens nur auf einem Ohr auf.

 

Die Vorboten und Symptome eines Hörsturzes

Es gibt Symptome, die dem Hörsturz vorausgehen oder ihn begleiten können. Dazu gehören beispielsweise ein pelziges Gefühl um die Ohrmuschel, Tinnitus (Ohrgeräusche), Ohrenschmerzen mit Ausstrahlung auf eine Gesichtshälfte, wiederholt auftretende Sehstörungen, kurzzeitig auftretender Schwindel und/oder ein Druckgefühl hinter den Augen. Der Hörsturz selbst ist schmerzfrei. Die Hörminderung kann nur bestimmte Frequenzen betreffen. In seltenen Fällen kommt es zur Ertaubung. Typisch für einen Hörsturz ist, dass der Betroffene einen Ton auf beiden Ohren nicht nur unterschiedlich laut, sondern auch in verschiedenen Tonhöhen hört.

 

Ist es möglich, einem Hörsturz vorzubeugen?

Die genauen Ursachen des Hörsturzes sind nicht bekannt. Lärm und vor allem Stress gelten aber als wichtige Auslöser. Ein weiterer Risikofaktor ist Burnout. Aus diesen Gründen ist es wichtig, den Lebensalltag möglichst frei von Stressoren zu gestalten. Zu einer verbesserten Stressbewältigung bietet sich das Erlernen von Entspannungsübungen wie Yoga, Autogenem Training oder Progressiver Muskelentspannung an sowie ausreichend Bewegung an der frischen Luft und nicht wettkampforientierter Sport. Was die medikamentöse Vorbeugung eines Hörsturzes betrifft, wird in Fachkreisen der Einsatz von Ginko-Blätter-Trockenextrakt, zum Beispiel Gingium intens 120 Filmtabletten, unterschiedlich diskutiert. Dieser Wirkstoff kann die Durchblutung des Innenohrs fördern. Außerdem sollte der Konsum von Genussmitteln, die der Durchblutung schaden können, eingeschränkt werden. Das gilt vor allem für Alkohol und Nikotin.

 

Wann zum Arzt bei Verdacht auf einen Hörsturz?

Bei einer Hörminderung sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Das gilt auch für das Auftreten von Ohrgeräuschen oder dem Gefühl ein verstopftes Ohr zu haben. Dringend anzuraten ist ein Arztbesuch auch bei einem pelzigen Gefühl um die Ohrmuschel, Ohrenschmerzen mit Schmerzausstrahlung auf eine Gesichtshälfte, wiederholt auftretendem Schwindel, Druckgefühlen an den Augen oder Sehstörungen. Ein Hörsturz gilt nicht mehr als Notfall. Es handelt es um einen sogenannten medizinischen Eilfall, bei welchem es ausreicht, den Arzt am folgenden Tag aufzusuchen. Trotzdem ist eine möglichst rasche Behandlung wichtig, vor allem wenn die Schwerhörigkeit stark ausgeprägt oder das Ohr taub ist.

 

Wie kann ein Hörsturz diagnostiziert werden?

Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO) wird zunächst die Krankengeschichte des Betroffenen erfragen und den Gehörgang sowie das Trommelfell untersuchen. Damit möchte er ausschließen, dass die Hörminderung nicht auf eine Verstopfung des Gehörgangs oder eine Verletzung des Trommelfells zurückzuführen ist. Mithilfe eines Stimmgabeltests kann der HNO außerdem einschätzen, ob die Ursache für die Schwerhörigkeit im Mittelohr oder im Innenohr zu finden ist. Durch ein Audiogramm (Hörtest) kann der Facharzt das Ausmaß der Hörminderung zu beurteilen. Anschließend schließt der Arzt aus, dass die Hörminderung nicht auf eine andere die Funktion des Innenohrs beeinträchtigende Erkrankung zurückzuführen ist, beispielsweise eine Vergiftung, einem Tumor oder Morbus Menière, eine Fehlfunktion des Gleichgewichtsorgans im Innenohr.

 

Wie kann ein Hörsturz behandelt werden?

Ein Hörsturz wird am häufigsten mit Infusionen behandelt. Dabei kommen Medikamente auf der Basis von Ginko-Blättern, stärkere durchblutungsfördernde Wirkstoffe (beispielsweise Pentoxyfillin oder Polyhydroxyethylstärke), Lokalanästhetika oder Glukokortikoide zum Einsatz. Die Behandlung kann ambulant erfolgen. Eine stationäre Behandlung ist jedoch zu empfehlen, wenn die Hörminderung stark ausgeprägt oder beidseitig ist. Bei einer erfolglosen Infusionstherapie wird mitunter eine hyperbare Oxygenierung in Betracht gezogen. Dabei handelt es sich um eine Sauerstoffbehandlung in einer Überdruckkammer, die die Durchblutung der kleinen Gefäße im Innenohr verbessern soll. Die Wirksamkeit aller Therapieansätze bei einem Hörsturz wird in Fachkreisen kontrovers diskutiert. Das liegt an der hohen Spontanheilungsrate bei diesem Anwendungsgebiet. Sie liegt bei über 60 Prozent. Unter Spontanheilung wird das Ausheilen einer Krankheit ohne therapeutische Maßnahmen verstanden.